Grundschule Steinbergkirche

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Ministerium für Bildung und Wissenschaft

des Landes Schleswig-Holstein

Frau Ministerin Prien

Jensendamm 5

24103 Kiel                                                                                                                             22.01.2018

 

 

Schulleiter*innen und Lehrer*innen aus Mitgliedsschulen des Grundschulverbandes

Stellungnahme zum Brief am Schuljahresanfang der Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig–Holstein vom Oktober 2017

 

Sehr geehrte Frau Ministerin Prien,

 

in Ihrem Brief an die Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Kolleginnen und Kollegen postulieren Sie eine gute Grundschule für eine günstige Lernentwicklung und die Bildungskarriere unserer Schülerinnen und Schüler. Dieses ist uns bekannt und bildet seit Jahren den Grundstein unserer Arbeit und Anstrengungen in den Schulen.

 

Dadurch, dass mit veränderten gesellschaftlichen Bedingungen auch die Entwicklung von Kindern sehr viel heterogener verläuft als in früheren Jahrzehnten, ist ein hohes Maß an Differenzierung innerhalb eines Altersjahrganges erforderlich. Dies machte und macht viele Veränderungen im unterrichtlichen Handeln notwendig.

 

Als Maßstab zur Bewertung von Schülerleistungen bot sich auf Grund der genannten zunehmenden Heterogenität das Konzept der Notenzeugnisse immer weniger als motivierendes, lernförderliches Instrument an. In Kompetenzrastern beschriebene erbrachte Erfolge geben den Kindern wie auch ihren Eltern Rückmeldung über das Geleistete und ebenso über den noch zu erarbeitenden Lernstoff. Noten sind in diesem System keine Hilfe für den Lernerfolg. Sie sagen nicht aus, was jemand schon kann oder noch lernen muss, sondern drücken nur aus, dass andere schon mehr oder erst weniger von dem „Stoff“, der abgefragt wurde, gelernt haben.

 

Die Ansprüche an eine zeitgemäße Leistungskultur sind gewachsen. Alte pädagogische Formen der Benotung für Kinder haben sich in nun fast 100 Jahren nicht bewährt. Insbesondere Kinder brauchen eine bessere Leistungsrückmeldung als Zensuren. Lassen Sie Schulen, die erfolgreich ohne Zensuren arbeiten, diese Option, so wie Sie es den G8- Gymnasien zugestehen, einen eigenen Weg zu gehen.

Aus unserer Sicht kann es daher keine Rückkehr zu Notenzeugnissen geben! Insbesondere Schulen, die sich dahingehend weiterentwickelt haben, eine zum Inklusionsauftrag passende Leistungskultur zu entwickeln, dürfen nicht ausgebremst werden. Kolleg*innen, Eltern und Kinder dieser Schulen wünschen mehrheitlich Ihre Unterstützung.

Wir fordern, keine Rückwärtsgewandtheit für Grundschulen zu befördern, sondern ein fortschrittliches Denken und Umsetzen für einen Schleswig-Holsteinischen Weg in den Fokus zu nehmen. Dort, wo Grundschulen erfolgreich arbeiten, muss nichts verändert und neu angeordnet werden.

Handschrift ist eine wichtige Basisfertigkeit.

Sahen die Lehrpläne von 1997 die Möglichkeit vor, neben der Lateinischen Ausgangsschrift auch die Vereinfachte Ausgangsschrift zu lehren, hat sich durch didaktische Weiterentwicklung und entwicklungsbedingte Erfordernisse die Schulausgangsschrift und in den letzten Jahren zunehmend die Grundschrift, als Konzept einer verbundenen Schrift erwiesen, eine eigene Handschrift zu entwickeln. So sehen die Bildungsanforderungen der KMK vor, „eine lesbare, geläufige Handschrift müsse am Ende von Klasse 4 erreicht sein“, aber keine Verengung auf eine bestimmte verbundene Schrift.

Die Grundschrift ist eine bundesweit anerkannte Schrift – da mit der Hand geschrieben, eine Schreibschrift. Die Verbindungen einzelner Buchstaben entstehen beim Schreiben mit Schwung. Studien belegen (siehe Grundschulverband), dass Kinder mit dem Instrument Grundschrift zu einer laut Bildungsstandards gewollten flüssigen, lesbaren, formklaren Handschrift kommen.
Die Bildungsstandards sind weitaus aktueller als unsere alten Lehrpläne.

Wir erwarten von der Ministerin, dass sie nicht rein politisch agiert, sondern Möglichkeiten findet, Grundschulen bei ihrer anspruchsvollen Arbeit der langjährigen Schulentwicklung zu unterstützen. Dort, wo es gelungene Umsetzung gibt, wie mit der Vielfalt der Kinder Lernfortschritte für das einzelne Kind erzielt werden können, wünschen wir uns von der Ministerin wertschätzende Beachtung. Gerne laden wir Sie, Frau Ministerin Prien, zu einem Besuch unserer Schulen ein.

Richtig schreiben lernen war und ist ein Auftrag der Grundschulen seit ewigen Zeiten. Diese Selbstverständlichkeit hat mit der Methodik des Unterrichts nicht unmittelbar etwas zu tun. Jede Methode ist so gut, wie die Menschen, die sie anwenden. Das gilt für Mediziner*innen ebenso wie für Automechaniker*innen.

Der Satz diesbezüglich in Ihrem Brief zum Schuljahresanfang lässt den Verdacht aufkommen, in den letzten Jahren hätten Lehrkräfte und Schulleitungen und Eltern versagt und nicht dafür gesorgt, dass Kinder der Grundschule richtig schreiben lernen sollen. Dieses wäre eine heftige Ohrfeige, die wir nicht verdient haben und nicht akzeptieren. Helfen Sie, Grundschulen zu stärken, damit die hoch anspruchsvolle Aufgabe von Unterricht und Erziehung gelingen kann.

Die Projekte „Lesen macht stark!“ sowie „Mathe macht stark!“ waren offensichtlich erfolgreich (wenn man die IQB-Ergebnisse betrachtet). Seit Jahren stehen wir Schulleiter*innen für eine Verbesserung der Qualität an unseren Grundschulen und sorgen durch Fortbildung und Schulentwicklungstage für eine kontinuierliche Weiterentwicklung.

Wir sind ganz gewiss Profis in unserem Bereich. Stärken Sie uns und entsprechend arbeitende Grundschulen. Die Baustellen zur Verbesserung von Qualität sind nicht in populistischem und politischem Kleinkram zu bearbeiten. Es geht um langfristige, über Jahre tragfähige Wege in der Schulentwicklung.

Wir würden uns über eine Rückmeldung zu unserem Anliegen nicht nur freuen, sondern hoffen selbstverständlich, Ihnen dienliche Hinweise aus der langjährigen Praxis gegeben zu haben.

Auch gehen wir davon aus, dass es ebenfalls von Interesse für Sie sein könnte, in einen Dialog mit uns zu treten, um sich zu den von uns noch unerwähnten Themen wie Fachanforderungen und die geplante verlängerte Unterrichtszeit in der Eingangsphase auszutauschen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Hier der Brief als Download: Schreiben an Ministerin Prien 22.01.18

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Vortrag: Not mit den Noten

In einer Vortragsreihe zum Thema Die Not mit den Noten referierte Prof. Dr. Hans Brügelmann im Februar 2015 zum Thema.Hans Brügelmann

Hier die Powerpointgrundlage als PDF-Datei: Brügelmann zu Noten